Vorstellung der Ausbildung zur weisungsunabhängigen medienpädagogischen Fachkraft

von Doris Schuchardt

Meine Damen und Herren,

Sie haben inzwischen einiges über den neuen Beruf der Medienpädagogischen Fachkraft gehört und wie es zu seiner Entstehung kam. Vielleicht interessiert den einen oder die andere von Ihnen jetzt auch noch, was das denn für Leute sind, die sich diesen Beruf gewählt haben. Ich möchte Ihnen deshalb ein paar Worte über uns erzählen:

Um Medienpädagogische Fachkraft werden zu können, braucht man vorher eine abgeschlossene pädagogische oder psychologische Ausbildung, so sieht es die Richtlinie vor.

Das ist natürlich ein weites Feld, und aus genau diesem weiten Feld kamen denn auch die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des ersten Ausbildungsganges.

Das fing an auf der einen Seite bei den eher praxisorientierten Berufen wie Erzieherin, Sozialarbeiter, Sozialpädagoge, Lehrer, bis hin zu den Diplomstudiengängen Pädagogik und Psychologie.

Einige von uns hatten diese erste Ausbildung gerade erst beendet, als sie mit der zweiten anfingen, kamen also ganz jung und unverbraucht, bei anderen lag dies schon länger zurück und sie brachten zehn, zwanzig Jahre Berufserfahrung mit.

Einige hatten vorher - in den unterschiedlichsten Funktionen - schon in der Medienbranche gearbeitet, andere haben sich die entsprechenden Erfahrungen in den ausbildungsbegleitenden Praktika erworben.

Ich weiss noch, als ich am ersten Abend nach Hause kam, habe ich erzählt, dass wir ein ganz schön bunt gemischtes Völkchen seien, das sich da zusammen gefunden hat.

Sollte nun jemand der Überzeugung gewesen sein, dass es schwierig werden könne, einen Ausbildungsgang zu konstruieren, der all den unterschiedlichen Wissensständen und Erfahrungswerten gerecht wird und alle dazu qualifizieren wird, denselben Berufsabschluss zu erreichen, so sollte der sich bald getäuscht sehen.

Wir haben im Laufe der Ausbildung nicht nur von unseren Referenten und Referentinnen viele und sehr unterschiedliche Dinge gelernt, sondern auch untereinander, weil alle bereit waren, ihr Wissen , ihre Erfahrungen mit einzubringen und auch das Wissen und die Erahrungen der anderen für sich anzunehmen.

Sollten Sie jetzt allerdings befürchten, wir seien vom bunten Völkchen zur amorphen Masse mutiert, so kann ich sie beruhigen: Jeder von uns hat sich seine persönlichen Eigenheiten, seine persönlichen Stärken bewahrt. (Ich sage bewusst nicht Stärken und Schwächen, denn wir haben eigentlich alle nur Stärken.)

Was liegt nun vor uns? Die Zusammenarbeit mit den Produktionsfirmen und den Ämtern. Von unserer Seite mit gespannter Erwartung betrachtet, von der anderen Seite, namentlich den Produktionsfirmen, sicher auch mit ein wenig Besorgnis.

Eine Besorgnis wird sein, dass wir einen zusätzlichen Kostenfaktor darstellen. Nun, einen Kostenfaktor stellen wir natürlich dar, ob es aber ein zusätzlicher sein wird, oder ob das Geld nicht an anderer Stelle weniger ausgegeben werden muss, weil mit unserer Arbeit das eine oder andere vielleicht doch ein wenig leichter und unkomplizierter oder schneller abläuft, wird die Zukunft zeigen.

Die größere Besorgnis dürfte aber sein, dass wir uns einmischen. Dazu muss ich Ihnen sagen, ja, wir werden uns einmischen, wenn es erforderlich ist, aber wahrscheinlich anders, als es vielleicht befürchtet wird. Wir werden weder solche Nervensägen sein, wie die Mutter, von der wir eben gehört haben, noch werden wir eine “fürsorgliche Belagerung” um das Kind entwickeln, wie Friedhelm Güthof es eben bezeichnete.

Ich war vor ein paar Tagen auf dem Kinder- und Jugend-Filmfestival in Marl. Da hatten wir auch so ein Forum wie hier und da wurde von einem namhaften Produzenten die Befürchtung geäußert, wir könnten uns als Co - Regisseure aufspielen. Das werden wir sicher nicht tun.

Das ist nicht unser Job, dazu fehlt uns das Wissen, dazu fehlt uns da Können und außerdem: Ich glaube zwar, dass Regisseure in NRW nicht soviel verdienen wie in Hollywood, aber ich denke, doch noch eine ganze Ecke mehr als wir. Sie sehen, für die Regie sind wir wirklich ungeeignet.

Doch im Ernst: Wenn eine schwierige Szene in einem Film so aufgelöst wurde, dass ein Kind sie spielen kann, ohne deswegen Schaden zu nehmen oder allzu großen Belastungen ausgesetzt zu sein, warum sollten wir uns dann einmischen?! Sie haben eben Herrn Döhmann gehört, der selbst sagte, dass zumindest die Produktionsfirmen, die häufiger mit Kindern arbeiten, für die in Frage kommenden Szenen einen geübten Blick entwickeln und sie entsprechend bearbeiten.

Unsere Maxime ist das Wohl des Kindes, aber unser Job ist es, dies in Einklang zu bringen mit den genau so berechtigten Interessen der Produktionsfirmen, seien sie nun künstlerischer oder wirtschaftlicher Natur.

Wir verstehen uns nicht als Bremser, als Behinderer, sondern als Helfer und Berater, wir wollen die Mitarbeit von Kindern in Medienproduktionen nicht verhindern, sondern fördern, in manchen Fällen vielleicht sogar erst ermöglichen, je nach Thema der Produktion.

Wir haben von Prof. Röll gehört, wie schnell Kinder sich Medien aneignen, ja geradezu eine Omnipotenz im Umgang mit ihnen empfinden. Wir haben gehört, dass sie die Arbeit in Medienproduktionen nicht als negativ, sondern als faszinierend empfinden. Und wir sind der Überzeugung, dass Kinder in unserer Gesellschaft ein Recht darauf haben in den Medien vorzukommen, dass sie sich dort wiederfinden können müssen. Aber ihre Arbeit dort muß kindgerecht sein, oder sagen wir altersgerecht.

Dies, denke ich, ist bei allen hier Anwesenden Konsens, und deshalb können wir zur Erreichung dieses Zieles auch Hand in Hand arbeiten.

Lassen Sie mich noch ein Wort sagen zur Frage der täglichen Arbeitszeit: Wir haben von Herrn Dr. Petzold gehört, dass kindliche Entwicklung in Sprüngen verläuft, dass es Entwicklungsüberschneidungen von bis zu zwei Jahren geben kann, und dass es deswegen nicht viel Sinn macht, viele kleine Unterscheidungen für die täglich erlaubte Arbeitszeitdauer für Kinder von 6-8, von 8-10 usw. zu treffen.

Ich denke, wir sollten in dem breiten Spielraum von 6 - 15 Jahren einen Einschnitt machen, vielleicht bei 10 oder bei 12 Jahren, das müßten die Entwicklungspsychologen sagen. Innerhalb dieser Zeiträume aber braucht man jemanden wie die Medienpädagogische Fachkraft, die kompetent und vor Ort entscheiden kann, ob ein Kind in einer konkreten Situation mehr als drei Stunden arbeiten kann oder vielleicht sogar zu seinem eigenen Besten arbeiten sollte.

Wenn wir es gemeinsam versuchen, dann werden wir es auch schaffen, dass wir alle unsere Arbeit gut und richtig machen und auch noch unsere Freude dabei haben können.

Für heute wünschen wir uns, mit möglichst vielen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus den Produktionsfirmen und den Ämtern ins Gespräch zu kommen. Deshalb unsere Bitte: Kommen Sie auf uns zu, sprechen Sie uns an, lassen Sie uns miteinander reden, und dann, so denke ich, wird das der Beginn einer wundervollen Freundschaft.

Ich danke Ihnen.

Bilder der Tagung